Nachhaltigkeit I Materialien

Kompromiss: synthetische Fasern

Taschen und Rucksäcke müssen viel aushalten – sie sollten also reiß- und abriebfest sein. Gleichzeitig sollten sie möglichst leicht sein. Synthetische Fasern wie Nylon und Polyester erfüllen diese Anforderungen sehr gut. Beide Materialien sind robust, formstabil und bei entsprechender Verarbeitung ausgesprochen langlebig.

Die idealen Materialien für funktionale Taschen also. Und für die Umwelt? Not so much.


Nylon gehört zur Familie der Polyamide, Polyester wie PET-basierte Polyester zu den synthetischen Polyestern. Synthetische Fasern werden überwiegend aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Sie sind nicht biologisch abbaubar und können – insbesondere durch Abrieb und Waschen – zur Belastung durch Mikroplastik beitragen.

Ein Rucksack aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bio-Baumwolle bringt hier andere Vorteile mit sich. Gleichzeitig hat Baumwolle andere ökologische Herausforderungen und kann je nach Ausführung schwerer, weniger wasserabweisend und weniger langlebig sein. Für funktionale Taschen ist die Materialwahl deshalb immer auch eine Frage des richtigen Kompromisses.

Denn Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein am Ausgangsmaterial festmachen. Auch die Lebensdauer und die tatsächliche Nutzung eines Produktes spielen eine entscheidende Rolle. [3] Je länger ein Produkt genutzt wird, desto länger müssen die für seine Herstellung eingesetzten Ressourcen nicht durch ein neues Produkt ersetzt werden.

Gleichzeitig entstehen weltweit enorme Mengen an Textilfasern und Textilabfällen. 2024 wurden weltweit rund 132 Millionen Tonnen Fasern produziert. Polyester machte dabei 59 % der weltweiten Faserproduktion aus; 88 % des Polyesters waren fossilbasiert.

Die gute Nachricht: Die Liste der verfügbaren recycelten synthetischen Fasern wird immer länger. Nylonstoffe aus Pre-Consumer-Recycling, wie beispielsweise MIPAN® regen oder CORDURA® re/cor™, können hinsichtlich ihrer technischen Eigenschaften mit Virgin-Nylon vergleichbar sein. Auch bei Beschichtungen werden zunehmend Alternativen mit geringerer Umweltbelastung entwickelt.

Die Alternativen sind also da. An den aktuellen Zahlen von Textile Exchange lässt sich allerdings erkennen, dass sie noch viel zu wenig genutzt werden. Je nach Faserart liegt der Anteil recycelter synthetischer Fasern deutlich unter dem Anteil von Virgin-Material. Bei Polyester liegt er 2024 beispielsweise bei rund 12 % recyceltes Polyester und 2 % recycelte Polyamid-/Nylonfasern.

Noch deutlicher wird die Lücke beim sogenannten Textile-to-Textile-Recycling: weniger als 1 % des globalen Fasermarktes aus Pre- und Post-Consumer-Recycling von Textilien an. Gleichzeitig stammten 6,9 % aller weltweit produzierten Fasern aus recyceltem Polyester aus Plastikflaschen.

Die Alternativen sind also vorhanden. Jetzt geht es darum, sie konsequenter einzusetzen – und gleichzeitig Produkte zu entwickeln, die lange halten, reparierbar sind und möglichst lange genutzt werden.

Denn am Ende entscheidet nicht nur das Material über die Nachhaltigkeit eines Produktes, sondern das Zusammenspiel aus Material, Herstellung, Lebensdauer und unserem Konsumverhalten.